Vinöse Kostbarkeiten aus dem Wallis
Warum denn in die Ferne schweifen ? das Wallis liegt so nah... Vielleicht waren Sie schon
in den Skiferien im Wallis? Oder sind durch die unberührten, wilden Täler gewandert?
Heute wollen wir Ihnen das Wallis von einer anderen, ebenfalls sehr genussvollen und
sinnenfreudigen Seite vorstellen, nämlich von der vinösen.
Unter der Kulisse von imposanten Alpengipfeln strebt im breiten Talboden die Rhone
dem Lac Léman zu. Sie ist die Lebensader dieses heissen und trockenen Gebiets mit fast
mediterran anmutender Ambiance, in dem wie in einem Garten Eden Früchte und
Gemüse ohne Zahl gedeihen. Der grösste Weinkanton der Schweiz hat sich nach einer
tiefgreifenden Krise Mitte der 80er Jahre mittlerweile zum kreativsten Weinkanton des
Landes gemausert. Auf schwindelerregend steilen Rebbergen, verwöhnt von einer
Sonne, die hier öfters scheint als im Bordelais, und unterstützt vom warmen Föhn,
gedeihen im oberen Rhonetal zwischen Visp und Martigny grossartige Weine, die keinen
Vergleich mit Gewächsen aus dem In? und Ausland zu scheuen brauchen.
Bei Weinfreaks steht das Wallis wegen seiner Spezialitäten besonders hoch im Kurs,
wachsen hier doch einzigartige Sorten, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Wer
das Weinland Wallis noch nicht kennt, wird begeistert entdecken, welche (Keller?)
Schätze es zu bieten hat.
In der Tradition der Johanniter
Die Oberwalliser Rebbaugemeinde Salgesch trägt stolz das Malteser Kreuz in ihrem
Wappen. Zwar weiss man nicht, ob sich die Johanniter 1235 im Dorf niederliessen, weil
sie von den ausgezeichneten Reblagen angezogen wurden, doch Weinfreunde nehmen
dies als gegeben hin... Auf alle Fälle errichteten die Johanniter eine Herberge in Salgesch,
die Reisenden Schutz, Speise und Trank bot.
Dieser Tradition und Gastfreundschaft fühlt sich auch das Weinhaus Kuonen & Grichting
verpflichtet, das sich deshalb den klangvollen Namen "Johanniterkellerei" gegeben hat.
Zwar wurde es nicht schon im Mittelalter gegründet, immerhin aber 1913, womit es die
älteste Salgescher Weinkellerei ist. Damals taten sich drei Salgescher Winzer zusammen,
um künftig gemeinsam ihren Wein einzukellern. Die Anfangsjahre waren schwierig,
nicht zuletzt wegen des Ersten Weltkrieges und der darauffolgenden
Weltwirtschaftskrise. 1930 konnte die Firma Kuonen & Grichting die erste Kellerei in
Salgesch errichten, die schon 1952 vergrössert werden musste. Heute wird die Familien?
AG in dritter Generation vom 52?jährigen Thomas Grichting geführt, der seit 30 Jahren
als Geschäftsführer amtet.
Natürlich schlägt sein Herz rot ? wie könnte es anders sein in Salgesch, der Gemeinde,
die berühmt ist für ihre Rotweine? Zwei Drittel des Sortiments entfallen auf Rotweine,
allen voran natürlich auf den Pinot noir. Thomas Grichting keltert allerdings von den 8
Hektaren der Johanniterkellerei und aus dem Traubengut, das er von weiteren 30
Hektaren zukauft nicht nur einen Pinot noir, sondern gleich mehrere Varianten dieses
edlen Gewächses. Angefangen beim eleganten Pinot noir Johannestrunk über den
konzentrierteren Pinot noir de Salquenen Grand Cru, der streng nach den Vorschriften
dieses Labels produziert wird, den Pinot noir de Salquenen Grande Cuvée von einer
Einzellage bis zum drei bis sechs Monate lang in Barriques, kleinen Eichenholzfässern,
gereiften Pinot noir de Salquenen "Fût de chêne" mit zarten Vanilletönen.
Doch auch wenn der Pinot das Aushängeschild ganz Salgeschs und somit des Hauses
Kuonen & Grichting ist, würde eine Rebsorte allein den dynamischen Thomas Grichting
nicht befriedigen.
So finden sich denn in seinem Sortiment die typischen Walliser Klassiker, angefangen
bei Fendant und Johannisberg über Riesling, Malvoisie, Ermitage, Muscat, Chardonnay
und Dôle blanche, einen Oeil?de?Perdrix und einen Dôle bis hin zu Humagne rouge,
Cornalin und Syrah. Eine verblüffende Vielfalt, die sehr typisch ist für das Wallis.
Kunstvolle Verpackung für kunstvollen Inhalt
Thomas Grichting füllt bewusst sehr früh ab. So kommt etwa der neue Fendant bereits
im Dezember nach der Ernte auf den Markt. Es ist weitgehend sein Verdienst, dass
Salgescher Wein in der Deutschschweiz bekannt und beliebt wurde, bietet er doch seine
Produkte seit Jahren ausserhalb des Wallis an.
Die Mode der Künstleretiketten hat er gewissermassen vorweggenommen. Vor vielen
Jahren entstand aus dem Kontakt mit jungen Grafikern und Künstlern die Idee seines
Etikettenwettbewerbs. Inspiriert durch 12 Flaschen Pinot noir "Fût de chêne" machten
sie sich ans Werk, und die Siegeretikette schmückt bis heute die Auslese unserer Rotund
Weissweine. Allerdings sei ihm der Inhalt wesentlich wichtiger als die Verpackung,
betont Thomas Grichting. Umso besser, wenn beides stimmt!
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